Wir sind eine Lärmbelästigung. Na und?

Sicherlich kennen viele Eltern die Situation. Man hat sich dazu entschieden mit seinen reizenden Kindern ein Restaurant aufzusuchen um ein Abendessen zu sich zu nehmen. Die Kinder verhalten sich wie Kinder und sprechen auch schon mal etwas lauter, weinen wenn sie unzufrieden sind und sind insgesamt unruhiger als Erwachsene Gäste. Alles halb so schlimm, würde ich behaupten. Doch der andere Gast, der sich im fast leerem Lokal direkt an den Nachbartisch gesetzt hat, scheint diesbezüglich eine andere Auffassung zu haben. Genervtes Stöhnen und Augenrollen begleiten ihn bei der Aufnahme seiner Mahlzeit. Das bekommen wir als Eltern natürlich mit und fragen uns, ob es uns nicht gestattet sein sollte mit unseren Kindern essen zu gehen.

Eigentlich alles richtig gemacht

Dabei haben wir in meinen Augen schon eine Menge dafür getan, eine möglichst geringe Belastung für die Allgemeinheit zu sein. Wir wählen, wenn wir mit den Kindern Essen gehen Uhrzeiten, in denen die Restaurants meist sehr leer sind. Wenn das Restaurant um 17 Uhr öffnet, stehen wir meist schon vor der Tür. Wir gehen also nicht erst gegen 20 Uhr Essen, denn wir verstehen, das Kinder mit fortschreitender Uhrzeit anstrengender werden können und es auch Zeiten geben muss, in dem Erwachsene ohne Lärmbelästigung durch Kinder essen gehen können. Wir setzen uns absichtlich etwas abseits der bereits mit uns anwesenden Gäste hin, weil wir wissen, dass unsere Kinder nicht immer Mucksmäuschen still sind. Wir nehmen zur Unterhaltung der Kinder Spielsachen und/oder Bücher mit. Wenn sich jetzt jemand in unsere unmittelbare Nähe setzt und sich offensichtlich dermaßen belästigt fühlt, dass er uns das auch spüren lassen will, ist derjenige dann nicht selber schuld? Sollten wir mit unseren Kindern nur dann essen gehen, wenn sie sich wie kleine Erwachsene benehmen können? Gibt es noch irgendwelche anderen ungeschriebenen Gesetze die wir beachte sollten, damit sich niemand von uns belästigt fühlt?

Etwas mehr Verständnis wäre nett

Ich persönlich würde mich über etwas mehr Verständnis für die Situation von Eltern freuen. Gerade im Urlaub möchte man nicht jeden Tag selber kochen und deswegen Restaurants in Anspruch nehmen. Und wie ich schon ausführte, tun wir das ja auch nicht unüberlegt, sondern planen einen Restaurantbesuch gut und suchen uns Restaurants, die sich durch ihre kinderfreundliche Ausstattung auszeichnen. Darüber hinaus können wir aber wohl wenig tun um die Situation noch erträglicher zu gestalten. Ich finde, da könnte man als Gast eines solchen Restaurants auch einmal Verständnis zeigen oder, wenn man sich besonders schnell gestört fühlt, selber etwas später Essen gehen, wenn Familien mit Kindern schon nicht mehr anwesend sind. Es ist nämlich wirklich sehr ärgerlich, wenn man nicht wenig Geld für ein Essen mit seinen Kindern ausgibt und sich danach fühlt, als hätte man den anderen Gästen unsagbares Leid angetan. Kinder existieren nun einmal, und bei aller Rücksicht kann man sie ja nicht aus dem öffentlichen Leben komplett entfernen.

Falls es noch Tipps gibt, wie andere Menschen sich weniger durch uns belästigt fühlen, dann würde ich mich freuen, wenn sie in meinen Kommentaren landen würden.

Kommentare

Ich kenne das Gefühl auch.

Ich bin immer froh über Leute, die einem dann verständnisvoll zunicken oder anders signalisieren, dass es für sie ganz okay ist, dass Kinder da sind.

Hallo. Ich kenne auch das Gefühl. Unsere Kinder sind noch klein und sind manchmal laut, weil sie noch nicht das Sprechgefühl erlangt haben. Im Restaurant kann es daher ungemütlich werden (für andere). Ich persönlich reagiere darauf nicht, wenn andere sich beschweren. Kinder rennen, schreien und toben. Ihnen etwas zu sagen bringt rein gar nichts, da sie es nach zwei Minuten wieder verdrängt haben. Es gibt Menschen die haben bei Bekannten sogar das Personal angesprochen und fühlten sich durch die Kinder belästigt. Mittlerweile gibt es Lokale, wo Schilder aufgestellt sind: "Kinder sind gerne willkommen". Damit weiß jeder Gast sofort, dass er mit tobenden Kindern zu rechen hat.

Wir hatten einst eine Beschwerde im Haus erhalten, weil unsere Kids im Flur zu laut waren. Interessiert mich persönlich nicht wirklich. Ich sage es noch einmal: Es sind Kinder!

Grüße, Alex.

Du bist als Vater deiner Kinder durchaus auch zuständig sie dafür zu sensibilisieren, dass es nicht immer nach ihrer Pfeife geht+dass ein gesellschaftliches Miteinander nur dann einigermaßen gut funktioniert, wenn man Rücksicht nimmt. Du hast ausschließlich deine Autonomie+die deiner Kinder im Blick und nicht die Perspektive der Anderen und das reicht in der Debatte um Ruhestörung nicht aus. Kinder sind laut, ja. Deshalb muss ich mir aber nicht fünf Stunden am Stück nonstop auf dem Kopf rumdengeln lassen.

Da muss ich dir widersprechen. Wenn ich zu Zeiten mit meinen Kindern essen gehe, die defintiv nicht zu den Stosszeiten gehören, nehme ich damit schon Rücksicht. Wenn ich mich weiter entfernt von anderen Gästen hinsetze nehme ich damit auch Rücksicht. Und darüber hinaus verbringen ich nicht 5 Stunden mit den Kindern im Restaurant (was für eine absurde Vorstellung). In alle Regel sind wir innerhalb einer Stunde gekommen und wieder gegangen. Und wenn sich jemand direkt neben unseren Tisch setzt und viele andere Plätze noch frei sind, dann fehlt mir leider jedes Verständnis dafür, dass man von der Anwesenheit von Kindern genervt ist.

Und nur weil ich Tolleranz erwarte heisst das noch lange nicht, wie du suggerierst, dass ich meine Kinder nicht darauf hinweise dass sie sich bitte benehmen sollen. Aber je nach Tagesform der Kinder kann das mal besser und mal schlechter funktionieren. Und wenn man in einem Restaurant sitzt und Essen bestellt hat ist "Wir gehen nach Hause" nun mal keine Wahl die man hat, wenn die Kinder mal nicht so gut drauf sind.

Wenn man sich von Kindern gestört fühlt kann man doch bitte zu Zeiten essen gehen, zu denen Kinder eher nicht anwesend sind. Gegen 19 Uhr sind wir definitiv mit den Kindern nirgendwo anders mehr als zu Hause. Oder man geht in Restaurants die offensichtlich nicht für Kinder geeignet sind. Dazu gehören wohl die meisten hochpreisigen Restaurants sowie Restaurants die vom Konzept her eher langes Essen von Kleinigkeiten vorsehen. Tapas mit Kindern? Never. Sushi? Definitiv nicht. Ins Gourmetrestaurant? Auf gar keinen Fall. Zum Chinesen um die Ecke? Jau, dat passt. Das gemütliche gutbürgerliche Gasthaus? Oh ja!

Moin, Vadder - ich meinte den Kommentar von Alex. Auf eine Beschwerde mit "interessiert mich persönlich nicht wirklich" und "es sind Kinder" ist arrogant und gipfelt in ein verlegenes Totschlagargument. Es ist sinnvoll zu überlegen, wie man für beide Seiten Komfort schaffen kann, erst recht, wenn man in einem Mehrparteienhaus lebt. Wir hatten eine ähnliche Situation (Nachbarzwerg gollerte 4 h mit dem neuen 'bobbycar' über den Holzfußboden). Die Eltern haben auf unsere Beschwerde sehr freundlich reagiert+sich gefreut, als wir den beiden am nächsten Tag für die Räder des Gefährts Filzüberzieher geschenkt haben. Damit war der Käs gegesse+beide Seiten waren zufrieden (inkl der Zwerg).

Ich finds auch nicht einfach, mit Kindern essen zu gehen. Pizza geht immer, Sushi+Tapas wird eher kleinteiliger Kleekram. Und sooo spannend finden es die Zwerge dann auch nicht, nach dem Essen noch dazusitzen und zu quatschen. Ist immer gut, wenn's n Spielplatz gibt (und es nicht wie aus Eimern gießt).
Mich stören oftmals gar nicht die Kinder der Anderen, sondern eher die Reaktionen der Eltern, die ihr Eltern-sein als Alleinstellungsmerkmal nutzen und alles durchwinken. Wenn ich als Mutter oder Vater konfliktscheu bin, wird das auf lange Sicht schwierig. Erst recht für die Kinder.

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