Wie man Kleinkinder beschäftigt

Ich denke, viele von uns Eltern kennen die Situation: Man sitzt zuhause und dem Kind wird langweilig. Wenn man jetzt nichts findet, dass das Kind beschäftigt, kann der Tag sehr lang werden. Aber wie beschäftigt man sein Kleinkind am besten? Ich denke es gibt nicht die eine Lösung. Das liegt alleine schon daran, dass die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern unter drei nicht mehr als 10 Minuten beträgt. Aber weil wir um diesen Umstand wissen, können wir uns darauf einstellen.

Abwechslung ist wichtig

Aus der niedrigen Aufmerksamkeitsspanne der Kinder folgt, dass es wichtig ist, nicht eine große Beschäftigung zu finden, sondern variabel immer wieder neue Dinge zu finden, die dem Kind Spaß machen. Das 100 Teile Puzzle oder eine Runde Monopoly kommt also aus naheliegenden Gründen nicht wirklich in Frage. Wenn wir gerade mit dem Kind seinen Spielzeug Zoo aufbauen, und das Kind steht mitten im Spiel auf um sich auf sein Schaukelpferd zu setzen, dann ist das ganz normal.  Und zwar nicht, weil das Kind seinen Zoo langweilig findet, sondern einfach, weil die Aufmerksamkeitsspanne abgelaufen ist. Die richtige Reaktion darauf ist, dem Kind in seinem Impuls zu folgen und es gegebenfalls bei seinem neuen Spiel zu unterstützen.

Unterstützung dosieren

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die korrekt dosierte Unterstützung. Was kann mein Kind schon alleine? Gestehe ich meinem Kind ein Scheitern zu? Durch Beobachtung des Kindes ist es meist gut abzuschätzen, ob es noch ehrgeizig versucht eine Sache zu vollbringen, oder ob die Frustration langsam einsetzt. Bevor das Kind frustriert aufgibt, ist der richtige Zeitpunkt unterstützend einzugreifen. Ein Erfolgserlebenis ist für Kinder toll und eine Beschäftigung bleibt in positiver Erinnerung und wird in Zukunft erneut versucht, bis es dann auch ohne elterliche Unterstützung funktioniert. Und wenn der Nachwuchs bei seinen Versuchen mal vom Schaukelpferd fällt: Im besten Fall fangen wir das Kind auf, wenn das nicht klappt, können wir trösten. Kinder sind robuster als wir denken und die meisten kleinen Unfälle verlaufen völlig unproblematisch.

Grenzen setzen

Natürlich gibt es Dinge, die Kinder sich als Beschäftigung überlegen, die uns aber überhaupt nicht gefallen. Natürlich findet ein Kind es toll auf dem Sofa rumzuhüpfen. Aber wir sehen es schon vor dem inneren Auge schreiend am Boden liegen nach dem sein Kopf Bekanntschaft mit Tischplatte machen musste. Wir wollen diese Aktion deshalb unterbinden. In der Regel teile ich meinem Kind also mit, dass das hüpfen auf dem Sofa nicht erlaubt ist. Jetzt können zwei Reaktionen auftreten: 

  • Das Kind erinnert sich, dass seine Aktion verboten ist, akzeptiert das Verbot und sucht sich eine neue Beschäftigung. Diese Reaktion ist die unwahrscheinlichere. Ich habe aber Gerüchte gehört, dass sie tatsächlich schon aufgetreten sein soll.
  • Das Kind ignoriert den elterlichen Rat und entschliesst sich, dass die aktuelle Aktion ja noch viel spannender wird, wenn währenddessen Ermahnungen und Verbote ausgesprochen werden.

Im zweiten, wahrscheinlicheren Fall möchten wir die Aktion des Kindes natürlich anders unterbinden. Wenn wir jetzt das Spiel einfach unterbrechen und das Kind sich selbst überlassen wird es entweder versuchen die Aktion wieder aufzunehmen oder seinen Unmut Luft machen und anfangen zu weinen. Beides bedeutet für uns Stress. Besser wäre es die Aktion zu unterbinden und nahtlos in eine neue Aktion überzugehen denn – wie wir uns erinnern – die Aufmerksamkeitspanne des Kindes ist kurz. Und genauso schnell vergisst das Kind das seine ungewollte Aktion unterbrochen wurd, wenn wir direkt eine neue Aktion anbinden. Im Beispiel hebe ich das Kind also vom Sofa und bewege mich mit ihm spielerisch zum Teppich, lasse mich nieder und fange an das Kind zu kitzeln und mit ihm zu toben. Bewegung ist gut, und das Kind vergisst schnell, dass es ja eigentlich auf dem Sofa hüpfen wollte.

Grenzen sparsam setzen

Andererseits hilft es uns bei der Beschäftigung des Kindes definitiv nicht zu inflationär mit Grenzen umzugehen. Je mehr Beschäftigungen wir untersagen, desto schwieriger wird es dass Kind über längere Zeiträume hinweg zu beschäftigen. Wenn also das Kind wiedermal den Papiermüll nach Schätzen durchsucht oder einen unserer Küchenschränke mit Plastik-Behältern ausräumt, bleiben wir am besten gelassen. Das Kind ist beschäftigt, und die Aufräumarbeit wird sich in Grenzen halten. Im besten Fall schaffen wir es sogar dem Kind beizubringen, dass Dinge, die es aus- oder umräumt nach dem Spiel wieder aufgeräumt werden. Es ist erstaunlich wie auch ein 18 Monate altes Kind schon mit Passion aufräumen kann, wenn es sich wie ein weiteres Spiel anfühlt.

Zeichen richtig lesen

Ich war zu Anfang meiner Elternschaft verwundert, wie anstrengend solche Spielzeiten für die Kinder sind. Wenn also das Kind anfängt müde zu werden und sich die Augen reibt, ist der richtige Zeitpunkt gekommen auf den Wunsch einzugehen und das Kind in sein Bett zu bringen. Denn ein müdes Kind beschäftigen ist wirklich schwierig. Die sowieso begrenzte Aufmerksamkeitsspanne sinkt noch einmal und eine Frustration des Kindes ist kaum zu vermeiden. Also gönnen wir dem Kind seine Ruhezeiten.

Perfektion ist unmöglich

Auch wenn ich das Gefühl habe mich zu wiederholen: Natürlich ist dass, was ich dargestellt habe eine idealisierte Sicht, die so nicht unseren Alltag wiederspiegelt. Alle guten Ideen und Ratschläge können nicht dafür sorgen, dass wir mal müde sind, oder im Zeitdruck oder der Alltag nicht mit dem Beschäftigen des Kindes in Einklang zu bringen ist. Dann ist das Kind frustriert und wir auch. Aber das kommt vor. Umso mehr sollten wir die Zeit geniessen, die wir ganz allein für das Kind haben. In diesen Zeiten sollten wir versuchen Frustration zu vermeiden und einfach Spaß mit unserem Kind zusammen haben.

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