Müssen wir uns sozial isolieren?

Ich habe gerade diesen Artikel gelesen und mich gefragt: Bin ich auch so? Nach einiger Überlegung kann ich mit einem klaren Jein antworten. Ja, ich mache weniger mit Freunden. Ja ich bin auch sehr früh müde, seit der Kurze da ist. Es ist ein großer Aufwand sich mit Freunden und Kind zu treffen. Ich finde aber, dass das auch eine Frage der Prioritäten ist. Es muss etwas geben zwischen "ich mache gar nichts mehr" und "ich schiebe das Kind zu den Großeltern ab". 

Ich gehe recht regelmässig mit meinen Freunden kegeln. Nicht so oft wie vor der Geburt des Kindes, aber ich versuche es wenigstens jedes dritte Mal zu schaffen. Es gibt aber auch viele Faktoren, die mich da beeinflussen, die es so vorher nicht gegeben hat. Zum Einen sitzt naturgemäss das Geld nicht mehr ganz so locker, seit wir nicht mehr nur zu zweit sind. Zum Anderen kann ich nicht einfach länger schlafen, um am nächsten Tag ausgeruht zu sein. Meinem Sohn ist es egal ob ich drei oder acht Bier getrunken habe, ob ich um eins oder um vier zu Hause bin, mein Sohn weckt mich um spätestens sieben Uhr. Und dann muss ich mindestens so fit sein, dass ich mich um ihn kümmern kann. Ich kann nicht von meiner Frau erwarten, dass sie nicht nur am Vorabend alleine zuhause bleibt sondern auch noch am nächsten Tag die Betreung des Kindes übernimmt. Zumal ich meinen Sohn sowieso nur am Wochenende richtig sehe, weil ich in der Woche von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr Abends unterwegs bin. Für mich sind die Samstage und Sonntage sehr wichtige Tage, um die Zeit mit meinem Sohn zu geniessen. Ein Freitagabend an dem ich mich mit Freunden treffe und nicht um 22 Uhr nach Hause gehe, bedeutet für mich einen sehr anstrengenden darauf folgenden Samstag. Das kann ich mir mal erlauben, aber es muss die Ausnahme bleiben, weil ich die Zeit am Wochenende auch zum regenerieren brauche.

Am kommenden Wochenende steht meine Kegeltour an. Da kann ich 3 Tage am Stück meine Freundschaften pflegen. Ohne Wermutstropfen? Nicht ganz. Ich werde meinen Sohn an diesem Wochende kaum sehen. Meine Frau wird sich noch schwerer erholen können als sonst. Aber wir haben das Glück in der Nähe der Großeltern zu leben und die werden meine Frau unterstützen. Das beruhigt mein Gewissen etwas, aber eben nicht ganz. Trotzdem habe ich diese Priorität so für mich gesetzt. Denn solche "Events" sind wichtig. Ich gehe lieber seltener weg, dafür zu den wirklich "großen" Terminen, als immer mal wieder ein bischen wegzugehen. Interessant wird werden, ob mein Rythmus für ein ganzes Wochenende überhaupt noch kompatibel ist. Ich sehe es schon kommen, dass ich abends um neun im Bett liege und morgens um sieben von ganz alleine aufwache. Ob ich will oder nicht. Zum Rythmus meiner Freunde an so einem Wochenende passt das nicht. Ich bin gespannt wie sehr sich der Rythmus schon eingeschliffen hat.

Neuen Kommentar schreiben