Mamas Welt: Über das "Nein" sagen

Seit Kurzem geht Spross 1.0 zur Frühförderung. Schon allein die Beantragung dessen wäre ein Blogeintrag wert. Ursprünglich empfohl der Kinderarzt unserem Sohn Frühförderung, da er eine leichte Sprachentwicklungsverzögerung hatte. Ich hingegen hätte lieber noch abgewartet und ihm noch etwas mehr Zeit gegeben, sich zu entwickeln. Gesagt, getan, Kinderarzt will Frühförderung, Kinderarzt bekommt Frühförderung. Mir solls ja Recht sein, schaden kann es jedenfalls nicht, dachte ich bis dahin jedenfalls. Nachdem der Antrag auf Frühförderung nach gefühlt einem Jahr endlich genehmigt wurde, plappert unser großes Plappermaul nun drauf los was das Zeug hält. Hyperaktive Erwachsene, die den Kindern keine Zeit geben, sich in Ruhe entwickeln zu können, wird man wohl im Laufe des Elternseins immer wieder antreffen.

Was uns aber heute bei der Frühförderstelle widerfahren ist, lässt mich erst mal schlucken. Wir wollen unsere Kinder zu selbstbewussten, starken Persönlichkeiten erziehen, die lernen sich zu wehren, die Nein sagen können, die ein gesundes Nähe-Distanz-Verhältnis haben. Die Frau von der Frühförderstelle hat von eben diesem wohl nicht sonderlich viel abbekommen. Unser Spross wird ständig angefasst und bekommt die Hand aufgelegt (ob Sie meint, Sie hat Wunderkräfte? Wer weiß...). Nicht nur unser Großer, auch Zögling 2.0 wurde Ziel dieser Behandlung. Ich bin schon froh, dass Sie den Kids keinen dicken Schmatzer zum Abschied verpasst hat. Als wir dann nach der Stunde nach hause fahren wollten, fragte Sie den Großen, ob Sie ihm beim Jacke und Schuhe anziehen helfen soll. Was sagt Spross 1.0? Nein, das macht Mama. Ich, stolz wie Oskar, war gleich 3 cm größer, dass er so mutig ist, sich von so einer übergriffigen Person zu distanzieren.

Da wird die gute Dame doch tatsächlich aufmüpfig und regt sich bei mir über den frechen kleinen Jungen auf, der ja auch lernen muss, sich von ErzieherInnen anziehen zu lassen und sich auch von diesen etwas sagen lassen muss. Nein sagen, dürfen Kinder ihrer Ansicht nach nur um sich unter anderen Kindern im Streit zu wehren, bei Erwachsenen hingegen nicht. Ich habe die Sache erstmal aufgeklärt und ihr verdeutlicht, dass er sich wenn überhaupt nur von seinen Eltern etwas sagen lassen muss und sonst von niemandem und das wir das genau so wollen, dass er "Nein" sagt, wenn er etwas nicht möchte. Sie ist der festen Überzeugung, dass wir mit so einem Kind noch viel Stress bekommen werden. Auf der Rückfahrt habe ich Spross 1.0 weiter darin bestärkt, dass er alles richtig gemacht hat und dass er auch weiterhin nein sagen soll. Ob wir weiterhin dort hingehen werden? Vielleicht rufe ich an, sage unsere weiteren Termine ab mit der Begründung, unser Sohn sagt, er will nicht mehr frühgefördert werden. Ob Sie das überlebt?

Kommentare

Klingt ein bisschen wir vorletztes Jahrhundert, die Gute. ;-) Schön, dass du deinen Kindern den Rücken stärkst!

Ein Kind das sich von niemanden was sagen lassen muss? Bitte, wie soll das im Kindergarten sein wenn der Erzieher sagt es soll dem anderen Kind das Spielzeug nicht wegnehmen, stillsitzen oder was auch immer? Wie soll ein Kind das keinen Respekt lernt begreifen das es zu hören hat wenn der Lehrer Ruhe verlangt, ect? Das wird ein Tyrann groß gezogen der nicht nur sich selbst im Weg stehen wird sondern alle anderen mit rein zieht denn nicht nur alle Erwachsenen die statt der Eltern mit dem Kind zu tun haben, müssen da um alles kämpfen, sondern alle anderen die dabei sind, wie Mitschüler, z.B. dürfen auch drunter leiden weil der Unterricht nicht weiter gehen kann wegen einem Kind das nicht gelernt hat das Erwachsene Respektspersonen sind. Sorry, nein! Kinder brauchen Regeln und Respekt gehört dazu, denn sie können die Konsequenzen ihres Verhaltens bei weitem nicht überblicken. Kindern die Macht über Erwachsene zu geben bedeutet Probleme ohne Ende.

Ich befürchte da hast du etwas falsch verstanden. Es geht nicht darum, dass ein Kind keinen Respekt haben sollte, sondern darum, dass Kinder das Recht haben zu Dingen die sie nicht wollen "Nein" zu sagen. Übermässiger Respekt vor Erwachsenen und "Ja und Amen" sagen kann nämlich auch ganz schnell dazu führen, das weniger gutgesinnte Erwachsenen die Ihnen so gegebene Macht über das Kind ausnutzen. Im Gegenteil muss es Ziel einer Erziehung sein, dem Kind beizubringen wann es der Respekt vor allen Menschen (und nicht explizit vor Erwachsenen) gebietet sich zum Wohl der Allgemeinheit an Regeln zu halten. Das schliesst allerdings nicht ein, dass ein Kind von einer Person von der es nicht will angezogen wird. Das beinhaltet nämlich ein Eindringen in die Komfortzone eines Menschen. Und ja, ich halte es für erstrebenswert das Kinder und Jugendliche alle Anweisungen die sie bekommen hinterfragen bevor sie befolgt werden. So groß ist mein Vertrauen weder in Lehrer noch Erzieher, dass ich meinem Kind beibringen würde bedinungslos zu folgen. Das erwarte ich ja nicht mal bei mir selber. Bedinungsloser Gehorsam bedeutet nämlich noch viel mehr Probleme.

Ausserdem möchte ich betonen dass es nichts mit Respekt vor einem Menschen zu tun haben sich anfassen zu lassen. So groß kann mein Respekt vor einem Menschen gar nicht sein, dass ich ihm erlaube mich gegen meinen Willen zu berühren.

Dem stimme ich voll zu, aber so hattest du den Beitrag nicht geschrieben. Da klingt das etwas anders

Zum einen habe ich den Beitrag nicht geschrieben, sondern meine Frau und zum anderen habe ich ihn gestern und jetzt gerade nocheinmal gelesen, und finde nicht, dass man das herauslesen kann, was du verstanden hast, aber wenn das doch der Fall sein sollte, bin ich froh durch meinen Kommentar dazu beigetragen zu haben, die gewünschte Aussage des Beitrages zu verdeutlichen.

Sorry, habe da nicht so auf den jeweiligen Autor geachtet.
"Nein sagen, dürfen Kinder ihrer Ansicht nach nur um sich unter anderen Kindern im Streit zu wehren, bei Erwachsenen hingegen nicht. Ich habe die Sache erstmal aufgeklärt und ihr verdeutlicht, dass er sich wenn überhaupt nur von seinen Eltern etwas sagen lassen muss und sonst von niemandem"
Klingt anders. Aber klar, du kennst deine Frau und weißt was sie meint. Ich nicht. Ich lese Text. Daher habe ich es anders verstanden.
Aber gut, das wir das geklärt haben

So ohne Kontext kann man dieses Fragment vielleicht wirklich so verstehen, ich kann die aber versichern, dass es nicht so gemeint war. Also tatsächlich gut, dass wir drüber gesprochen haben :)

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