kochgeschichten - das jungväterkochbuch

Es gibt Kochbücher für Mütter, es gibt Kochbücher für Kinder, es gibt Kochbücher für Männer und wahrschienlich gibt es sogar Kochbücher für Väter. Bald wird es aber etwas geben, was über ein Kochbuch hinausgeht. Die östereichische Designerin  hat ein Projekt entwickelt, bei dem es darum geht, dass Väter mit Ihren Kindern zusammen Kochen anders erleben. Am 3. März startete das Crowdfunding für ihr Projekt "Kochgeschichten - das Jungväterkochbuch", eine Möglichkeit für Väter um ihren Kindern das Kochen näher zu bringen, oder selbst mit den Kindern zusammen anzufangen zu kochen. Das Projekt hat mich als leidenschaftlich kochender Vater natürlich besonders interessiert, und deshalb habe ich Kathi ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt.

Kochgeschichten erleben

Du hast im Rahmen deiner Masterarbeit das Projekt "Koch Geschichten" entwickelt. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Ich wollte unbedingt was mit Papas machen. In meinem Bekanntenkreis sind in den letzten Monaten ein paar Papas hinzugekommen und mich hat das so fasziniert, wie aus den Haudegen von früher auf einmal verantwortungsvolle Männer geworden sind. Ich habe eine sehr idealistische Einstellung dazu, in welcher Form ich Design umsetzen möchte. Die Familie schien mir ein sehr interessanter Ort, um anzusetzen. Von ihr gehen Veränderungen aus, die eine ganze Gesellschaft prägen.

Welche Aspekte sind dir bei der Entwicklung des Buches besonders wichtig gewesen?

Ich wollte vor allem sehr eng mit den Nutzern zusammenarbeiten. Dass es schlussendlich ein Buch geworden ist, war ja am Anfang gar nicht klar. Ich habe mir angehört, was so die Herausforderungen, Gedanken und Wünsche der Papas sind. Daraus hat sich dann eine Idee entwickelt. Im weiteren Verlauf habe ich diese immer wieder mit den Papas und ihren Kindern abgetestet. Dabei gingen viele Prototypen zu Bruch. Aber es war ein sehr spannender Prozess. Als Designer ist es oft sehr verlockend seine Ideen im Kämmerlein auszubrüten. Das ist meiner Meinung nach aber sehr eitel und man lernt nichts. Wenn man hingegen beobachtet wie Papas und Kids die Prototypen zerfetzen oder sich langweilen, fängst du an zu grübeln und nachzufragen.

Warum hast du den Fokus speziell auf Väter gelegt? Was unterscheidet den Umgang von Vätern mit Ihren Kindern von dem der Mütter?

Die Dynamik zwischen Vätern und Kindern unterscheidet sich von der zur Mutter. In meiner Literatur habe ich dazu eine interessante Theorie gefunden: Da das Kind körperlich mit der Mutter verbunden war, bleibt die gesamte Beziehung viel persönlicher - sie haben einmal eine Identität geteilt. Der Vater kann sich leichter distanzieren und das Kind "machen" lassen. Er tut sich auch einfacher damit, das Kind herauszufordern und zurechtzuweisen. Das Weinen oder die Angst des Kindes macht dem Vater nicht so viel aus wie der Mutter. Das klingt im ersten Moment grausam aber das ist es eigentlich nicht. Es bietet dem Vater dadurch die Möglichkeit, das Kind wachsen zu lassen. Wenn er dann gleichzeitig auch noch emotional und emphatisch auf das Kind eingehen kann, ist das der beste Start für gemeinsame Abenteuer!

Was unterscheidet dein Buch von einem Kinder-Kochbuch?

Das Wesentliche bei den Kochgeschichten ist, dass es die Beziehung von Vater und Kind widerspiegelt. In den Kochcomics werden zunächst Geschichten vorgegeben, um zu inspirieren und in das Thema einzuführen. Hier nehmen die Figuren Dr. Maus und Bär die Leser mit in eine kurze Story über Essen. Der Clue ist aber, dass der Comic nicht dazugedacht ist so zu bleiben. Er lädt ein, komplett zerschnitten zu werden, um eine eigene Geschichte oder ein Rezept gemeinsam neu aufzubauen. Diese kreativen, eigenständigen Versionen kommen dann ins Kochgeschichtenbuch. Denn sie sollen erhalten bleiben. Sie zeigen die Schnittstelle zwischen Vater und Kind. Hier finden sich die Gedanken und Ideen von den beiden und werden zu einer Geschichte, zu zusammen gekochten Gerichten und zu Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit.

Worauf hast du bei der Auswahl der Rezepte besonders Wert gelegt? Hast du mit Ernährungsberatern zusammengearbeitet?

Ich habe mich mit einer Ernährungsberaterin besprochen. Das Konzept ist aber anders gedacht. Die Theorie dahinter ist, dass es niemanden gibt, der mit vollständiger Sicherheit sagen kann, was wirklich gesund ist. Je mehr sich Menschen jedoch mit ihrer Ernährung und der Zubereitung von Essen auseinandersetzen, desto sorgsamer wählen sie ihre Produkte aus, desto mehr wissen sie über Nahrung und Zutaten, desto mehr Zeit verbringen sie beim Kochen und nicht beim Essen. Je mehr ich also lerne, desto mehr wende ich auch an. Wenn Kinder nicht wissen was Kresse ist, werden sie es vermutlich auch nicht essen und kaufen wollen. Wenn sie aber viel über Kräuter mit ihren Eltern sprechen und wissen wie diese aussehen, werden sie Lust bekommen, einen Kräutergarten anzupflanzen. Das Konzept ist daher so gedacht, dass Vater und Kind im Diskurs miteinander selbst bestimmen, was sie essen wollen. Einer meiner Grundsätze ist, dass man von der Annahme ausgeht, dass Menschen sich sehr gut selbst zu helfen wissen. Design soll sie nur manchmal ein bisschen anschubsen, wieder aktiv und eigeninitiativ zu werden.

Du wirst versuchen die Erstauflage deines Projektes durch eine Crowdfunding Kampagne zu finanzieren. Welche Möglichkeiten werden Interessenten haben, um deine Kampagne zu unterstützen? Planst du nach der limitierten Erstauflage weitere Auflagen?

Crowdfunding ist eine wunderbare Art in der heutigen Zeit ein Projekt zu finanzieren. Statt zur Bank zu gehen und mir erst viel Geld zu leihen, um zu produzieren und dann zu verkaufen und schlussendlich zurück zu zahlen, kann man mit dieser Methode das Pferd von hinten aufzäumen. Beim Crowdfunding zahlen die Kunden zuerst ein und dann werden die Produkte produziert und dann ausgeliefert. Alle Menschen, die an den Kochgeschichten interessiert sind, können auf wemakeit.at ab 03.März ein Exemplar erwerben. Wenn die Gesamtsumme (von mir festgesetzter Betrag für Produktion und Marketing des Produkts) innerhalb eines Monats erreicht wird, gilt die Finanzierung als erfolgreich, das Geld kommt zu mir und ich starte die Produktion. Grundsätzlich ist eine limitierte Erstauflage angedacht. Je nachdem wie die Resonanz ist, werde ich das Projekt dann weiterentwickeln. Wird die Summe nicht erreicht, geht das Geld wieder zurück an alle "Investoren". Das wäre dann natürlich sehr schade. Neben den Kochgeschichten Comics und Büchern biete ich auch noch andere "Pakete" an. Da kann man spannende Dinge/Erlebnisse erwerben. Das können echt schöne, einzigartige Geschenke sein! Aber mehr verrate ich jetzt noch nicht. :)

Wenn du dir etwas wünschen könntest, was das Buch bei Vätern und ihren Kindern auslöst, was wäre das?

Ganz viel Schaffensgeist und Selbstbewusstsein miteinander. Dass sie es inspirierend und abgefahren finden, miteinander Vorhandenes zu zerschneiden, um dann wieder nach ihren Regeln gemeinsam aufzubauen. Dass sie Lust bekommen sich mit Essen zu beschäftigen und den Spaß darin zu sehen. Dass sie die Handys und Tablets für ein paar Stunden weglegen und sich mit Kleber und Soße bekleckern. 

Crowdfunding ist gestartet

Das Crowdfunding ist gerade erst gestartet und läuft schon ziemlich gut an. Ich bin sehr gespannt und wünsche Kathi viel Erfolg! Verbreitet es weiter und erzählt anderen Vätern von diesem tollen Projekt. Hoffen wir, dass es ein Erfolg wird!

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