Homöopathie? Nein Danke.

Als Elternteil hat man immer mal wieder mit Menschen zu tun, die auf Homöopathie schwören. Immer wieder wird gesagt "Dagegen gibt es doch Globuli". Ich rege mich dann oft auf. Ich will mal festhalten, warum das so ist und damit vielleicht auch anderen Vätern und Müttern helfen, die wie ich nicht wollen, dass Homöopathie zum Konsens unter Eltern erklärt wird.

Homöopathie ist unwirksam

Es gibt keine Studien, die belegen können, dass Homöopathie eine Wirkung hat, die über den Placeboeffekt hinausgeht. Das heisst, doch, es gibt Studien die behaupten, das beweisen zu können. Diese Studien sind aus verschiedenen Gründen untauglich. Entweder die Ergebnisse sind nicht reproduzierbar, oder einfachste Regeln für wissenschaftliche Studien werden missachtet (Keine Kontrollgruppe, wenige Teilnehmer, schlechte Randomisierung). Solange keine seriöse Studie zu dem Ergebnis kommt, dass Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus wirksam ist, darf man davon ausgehen, dass sie nicht wirkt.

Wir bräuchten eigentlich auch gar keine Studien, wenn man sich mal anguckt, was Homöopathie überhaupt ist. Für ein homöopathisches Medikament wird ein Stoff genommen und bis zur Unkenntlichkeit verdünnt. Übrigens kommen solche Dinge wie Leopardenurin, Amselherzen, Plutonium, Zigaretten, Arsen, Heroin, Menstruationsblut und Mondlicht zum Einsatz. Bis zur Unkenntlichkeit verdünnt heisst, je nach Potenz etwas anderes. Es gibt tatsächlich Potenzen in denen die Urstoffe noch nachweisbar sind. Das sind die so genannten Niedrigpotenzen (bis D12) . In allem über D12 ist ein Wirkstoff nicht mehr nachweisbar. Das ist bei den teilweise verwendeten Ausgangsstoffen wahrscheinlich auch besser so.

Homöopathie ist gefährlich

Wie kann Homöopathie gefährlich sein, obwohl sie ja nachweislich nicht wirkt? Auf verschiedene Art und Weise. Zum einen haben niedrig potenzierte Grundstoffe ihre ureigene Wirkung. Nimmt man Beispielsweise Arsen 1:10 ein, ist das selbstverständlich immer noch hochgiftig. Üblicherweise werden die gefährlicheren Stoffe zum Glück in höheren Potenzen eingenommen, in denen kein Wirkstoff mehr über ist. Interessanterweise glauben die Homöopathen allerdings daran, dass die Wirksamkeit mit höherer Potenzierung steigt. Das heisst, je weniger vom Ausgangsmaterial im Mittel ist, desto wirksamer ist das Mittel. Sehr hohe Potenzen sollen daher nur von erfahrenen Homöopathen angewendet werden. Und wenn ich hohe Potenzen sage, meine ich sowas wie ein Tropfen Wirkstoff in die 4-fache Wassermenge des Atlantiks.

Eine andere Gefahr durch Homöpathie besteht darin, dass eine konventionelle Behandlung bei ernsthaften Krankheiten nicht in Anspruch genommen wird, weil der Glaube besteht, dass Homöopathie der Schulmedizin überlegen sei. Wer Krebs mit Homöopathie behandelt kann nur scheitern. Verzichtet man hier auf konventionelle Behandlungen, ist ein schlechter Verlauf der Krankheit vorprogrammiert.

Eine wichtige Gefahr, die augenscheinlich viele unterschätzen, geht aber auch davon aus, Homöpathie bei harmlosen Problemen zu verwenden. Oft hört man das von den Anhängern: Wenn das Kind schreit, gibt es dafür Globulis. Wenn es hinfällt gibt es Globulis gegen blaue Flecken, wenn es nicht schlafen kann Beruhigungsglobulis, Konzentrationsstörungsglobulis, Globulis gegen schlechte Laune, Globulis gegen alles. Was für eine verheerende Botschaft die Kinder daraus ziehen beachtet allerdings kaum jemand. Das Kind verinnerlicht, dass es gegen jede Kleinigkeit hilft ein Mittel zu schlucken. Das Kind differenziert hier jedoch nicht zwischen unwirksamen Globulis und gefährlichen Medikamenten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Kind, das gelernt hat etwas zu schlucken um zu schlafen, später schneller zu Schlafmitteln greift als ein Kind, das lernt mit kleinen Problemen ohne Einnahme von Globulis klar zu kommen.

Homöopathie ist teuer

Wir alle wissen, dass Familien vor allem eins nicht haben, und das ist zu viel Geld. Trotzdem geben viele Eltern Unmengen von Geld für Zuckerkügelchen aus. Ein kleines Fläschen mit 10g Globuli kostet zwischen 6 und 8 Euro. Schnell kommen 20 und mehr Fläschchen zusammen und schon hat man einen dreistelligen Betrag für unwirksame Mittel ausgegeben. Zusätzlich werden natürlich auch die Heilpraktiker bezahlt, die eine Anamnese durchführen um ganzheitlich herauszufinden welche Globulis genutzt werden sollten. 

Homöopathie ist keine Naturheilkunde

Ich sage nicht, dass nur konventionelle Arzneimittel helfen können. Ich bin sogar ein großer Freund von Kräutertee, Kräuteressenzen, Gewürzen und ähnlichem als Heilmittel. Ich weiss, das Pflanzen eigene Wirkungen haben. Aber Homöopathie ist nun einmal etwas völlig anderes, das mit Naturheilkunde überhaupt nicht zu vergleichen ist. Nichtsdestotrotz wird beides oft in eine Schublade gesteckt. Das ist schlicht falsch. Unser Körper hat hervoragende Selbstheilungskräfte. Homöopathie brauchen wir dafür nicht.

Homöopathie ist nichts für mich

Aufgrund dieser Tatsachen ist für mich klar, dass ich mein Geld nicht in homöpathische Medikamente stecken möchte. Das ich nicht möchte, dass mein Kind lernt, dass Medikamente (oder das was einige für Medikamente halten) die Lösung für jedes Problem sind. Und ich möchte hier zeigen, dass es kein Konsens unter Eltern ist, dass Homöopathie eine gute Idee ist. Man kann auch als Elternteil aufgeklärt und wissenschaftlich sein und sich bewusst gegen Homöopathie entscheiden. Und ich hoffe, dass ich damit nicht allein bin.

Kommentare

Ein sehr interessanter Artikel, dem voll zuzustimmen ist. Sollten Ihnen einmal die Argumente ausgehen, hilft Ihnen vielleicht mein Blog weiter:

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de

Dort finden Sie Analysen von angeblich positiven Studien und generell kritische Auseinandersetzungen mit den Aussagen zur Homöopathie.

Es gibt aber auch keine Studie die belegt, dass Homöopathie NICHT hilft....

Nunja. Es ist ja Gott sei dank so, dass man für Medikamente eigentlich erstmal beweisen muss, dass sie wirken. Deswegen sind Homöopathische Mittel auch nicht als Medikament zugelassen. Darüber hinaus hat die Auswertung von mehr als 200 Studien ergeben, dass die Wirkung von Homöopathie nicht nachzuweisen ist. 

http://www.fr-online.de/gesund---fit/225-studien-ausgewertet-forscher-finden-keinen-beleg-fuer-wirksamkeit-von-globuli,9563650,30105056.html

Und solange eine Wirkung nicht nachgewiesen ist, kann davon ausgegangen werden, dass sie nicht existiert. Es ist nicht Aufgabe der Medizin zu beweisen, dass Homöopathie nicht funktioniert. Es ist Aufgabe der Homöopathie, zu beweisen, dass sie wirkt, und daran scheitert die Homöopathie schon seit 200 Jahren kläglich.

Doch, die gibt es. Die Homöopathen lassen die nur immer wieder gerne weg. Da ist ganz vorneweg die Münchner Kopfschmerzstudie von Walach und Kollegen zu nenen.

Sogar die überwiegende Anzahl der plazebokontrollierten Vergleichsstudien könne keine Wirksamkeit belegen - haben also gezeigt, dass die untersuchten Homöopathika keinen Vorteil gegenüber einem Placebo bringen. Siehe hier:

http://facultyofhomeopathy.org/research/

Von 104 Studien waren 5 direkt negativ - das heißt, das Homöopathikum war noch weniger wirksam als das Placebo - und 56 waren unentschieden - was auch Unwirksamkeit bedeutet.

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