Gegen den Rechtsruck - Für unsere Kinder

Das Wochenende ist vorbei, die Nachrichten sind geblieben. In Clausnitz wird ein Bus mit ankommenden Flüchtlingen von einem Mob aus Menschen belagert die ihre Menschlichkeit anscheinend Zuhause vergessen haben. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Kinder so sehr verängstigt werden, dass sie in Tränen ausbrechen. Wenn Teile dieser Kinder sich nicht anders zu helfen wissen und dem Mob durch Gesten ihre Meinung klar machen (und mal im Ernst, wenn ich diese Rassisten vor dem Bus sehe, möchte ich denen auch gerne den Stinkefinger zeigen) dann hat die sächsische Polizei nichts besseres zu tun als die Flüchtlinge, die vor der Gewalt in ihren Heimatländern geflohen sind, mit Gewalt in ihr neues Zuhause zu zwingen. Später rechtfertigt der Polizeidirektor das Vorgehen als vollkommen verhältnismässig. Das Flüchtlingsheim, in das die Flüchtenden gebracht wurden, wird von einem Mitglied der rechtspopulistsichen Partei AfD geleitet, dessen Bruder organisierte den Mob der die Flüchtlinge aufhalten sollte. All dies passiert im Jahr 2016 in Deutschland. Eigentlich müssten wir es doch besser wissen.

Clausnitz ist kein Einzelfall

Leider ist Clausnitz kein Einzelfall, in ganz Deutschland werden Flüchtlingsunterkünfte angezündet, Lügen verbreitet, Flüchtlinge verängstigt oder bedroht und insgesamt wird von den Rechtspopulisten ein Klima der Angst geschaffen, durch das weitere Übergriffe begünstigt werden. In Bautzen applaudieren Schaulustige vor der brennenden Flüchtlingsunterkunft wie zuletzt 1992 in Rostock Lichtenhagen. Wie konnte es schon wieder soweit kommen? Die NPD versinkt in der Bedeutungslosigkeit, doch aus der konservativen Rechten drückt mit viel Kraft die AfD in die freigewordene Lücke. Doch sind die Rechtspopulisten alleine schuld am gegenwärtigen Dilemma? Ich denke nicht ausschließlich. Durch immer umfassendere Sicherheitsmaßnahmen und Anschläge, die dieser Sicherheitsmaßnahmen ungeachtet immer wieder passieren, entsteht ein stetiges Klima der diffusen Angst. Leider geben sich viele Politiker auch nicht die Mühe diese Angst zu beseitigen. Im Gegenteil, unser Innenminister stellt sich vor die Presse und spricht davon, das Teile einer Antwort die Bevölkerung nur verunsichern würde.All das führt dazu dass die Angst nicht weniger wird. Und je stärker die Angst, desto größer die Wut, der Hass. Wohin soll das alles führen?

Was soll ich den Kindern sagen?

Seit meiner Jugend habe ich mich immer wieder gegen Rechts engagiert. In der Schule bei Diskussionen, später auf Demonstrationen und beim Versuch die Demonstrationen der Rechten zu verhindern. Doch nie hatte ich dermassen das Gefühl dass wir uns in eine völlig falsche Richtung bewegen wie in den letzten Monaten. Rassistische Vorurteile beschränken sich nicht mehr nur auf offensichtlich minderbemittelte Rechtsradikale sondern haben die Mitte der Gesellschaft doch schon fast erreicht. Es sind nicht mehr die Nazis alleine, vor denen ich mich fürchte, es sind die "besorgten Bürger", die mit ihrer Angst und ihren Vorurteilen dafür sorgen, dass gewalttätige Aktionen, die längst auf demNiveau rechtsradikalem Terrors angekommen sind, auf fruchtbaren Boden fallen. Ich komme nicht mehr darum herum, mir die Frage zu stellen, was ich als Vater von zwei Kindern tun muss um später die Frage meiner Kinder beantworten zu können, wenn sie mich fragen, was ich getan habe, als die Lage immer dramatischer wurde für Menschen die aus ihrer Heimat zu uns geflüchtet sind. Ich hoffe wirklich, dass es dazu nicht kommen wird und dass ich mich irren werde, was die Zukunft unseres Landes betrifft. Ich hoffe, dass ich nicht in die Situation kommen werde meinem Sohn erklären zu müssen, warum es so viele Menschen gibt, die seine Freunde aus dem Kindergarten hier in Deutschland nicht haben wollen, ihnen sogar Gewalt antun. Ich möchte nicht irgendwann eine Antwort auf die Frage finden müssen, wo seine neuen Freunde mit ihren Familien hin verschwunden sind.

Wir dürfen nicht aufgeben

Die Gefahr die ich sehe ist dass ich müde werde, immer wieder meinen Mund aufzumachen wenn ich rassistisches Gedankengut höre oder lese. Dass ich irgendwann nicht mehr immer wieder die gleichen Diskussionen führen will. Das ich Texte wie diesen nicht mehr schreiben möchte. Wenn wir aufgeben und aufhören gegen die Unbelehrbaren zu argumentieren, überlassen wir ihnen stillschweigend das Feld. Es geht nicht einmal so sehr darum diese Menschen zu überzeugen. Es geht darum dass ihnen andere nicht weiter auf den Leim gehen. Wir sollten es machen wie es Konstantin Wecker schon vor einigen Jahren gesungen hat:

Ob als Penner oder Sänger,
Banker oder Müßiggänger,
Ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
Ob du sechs bist oder hundert,
Sei nicht nur erschreckt, verwundert,
Tobe, zürne, misch dich ein:

Sage nein!

Neben allen Aktionen die helfen, den zu uns flüchtenden Menschen das Leben zu erleichtern, sollten wir eins nicht vergessen: Wenn jemand Menschenrechte missachtet, andere Menschen bedroht und Ihnen (egal ob virtuell oder reell) nach dem Leben trachtet dann müssen wir uns dagegen wehren, dann müssen wir aufstehen und sagen "Nein, das ist nicht in Ordnung." Schon alleine damit alle unentschlossenen und einem Rest Moralempfinden merken, dass es eine Mehrheit für die Menschlichkeit gibt.

Neuen Kommentar schreiben