Eine neue Art von Politik

Als ich noch keine Kinder hatte und nicht gearbeitet habe, habe ich meine Zeit unter anderem auch in politisches Engagement gesteckt. Ich habe versucht einer kleinen lokalen Partei, die als Alternative zu den Bündnisgrünen antrat zu einem zweiten Sitz im Stadtrat zu verhelfen. Die Zeit der Diskussionen und Aktionen die wir damals hatten habe ich wirklich noch in guter Erinnerung. Für so etwas fehlt mir inzwischen aber sowohl Zeit als auch Motivation. Stattdessen habe ich mich ganz bewusst entschlossen auf eine andere Art der Mitbestimmung zu setzen.

Im Elternbeirat. Freiwillig.

Aufgrund unseres zum Teil konfliktbehafteten Weges zu unserem aktuellen Kindergarten habe ich mich dazu entschlossen, mich für den Elternbeirat zur Wahl zu stellen. Um als Ansprechpartner für Eltern dienen zu können die Probleme im Kindergarten haben. Um näher dran zu sein, an den Entscheidungen, die im Kindergartenalltag anstehen. Nicht zuletzt auch deshalb weil ich die Elterliche Partizipation nicht als lästige Pflicht sehe, sondern als wichtiges, demokratisches Privileg. Und ich wurde tatsächlich in den Beirat gewählt. Diese Woche hatte ich dann auch die erste Beiratssitzung und saß dann allein unter Erzieherinnen und Müttern im Personalraum des Kindergartens und erlebte vor allem organisatorisches. Das schreckt mich keinesfalls ab, auch das halte ich für eine wichtige Aufgabe eines Elternbeirates. Außerdem war sofort klar, dass ich als einziger Vater "natürlich" das Vater-Kind Zelten organisieren soll. Also gut, damit kann ich leben, das bekomme ich schon hin. Auch wenn ich eigentlich fast glaube, dass ein Vater-Kind Zelten in dieser Form eher ein Relikt der Vergangenheit ist, leben wir doch in einer Zeit in dem es nicht wenige allein-erziehende Mütter, gleichgeschlechtliche Elternkonstellationen und andere alternative Familienmodelle gibt. Das Fass habe ich aber erst einmal nicht aufgemacht, vielleicht ist das auch in unserem kleinen, dörflichen Kindergarten gar kein so großes Thema. Vielleicht spreche ich es bei Gelegenheit aber doch mal an oder lasse es in meine Planung einfließen.

Eine Ebene weiter

Doch wie ich bei meiner ersten Elternbeiratssitzung erfahren habe, gibt es noch eine weitere Ebene der elterlichen Partizipation, an der ich mich beteiligen kann. Es gibt nach dem Kinderbildungsgesetz die Möglichkeit, dass sich als Vertretung aller Elternbeiräte gegenüber dem Jugendamt ein Jugendamtselternbeirat (kurz JAEB) gründet, der Institutionenübergreifend die Interessen von Eltern und Kindern auch gegenüber der Lokalpolitik vertritt. Und das klang für mich wie ein weiterer logischer Schritt, den ich zu gehen bereit war. Also meldete ich mich abermals freiwillig und durfte bereits am nächsten Abend der konstituierenden Sitzung des JAEB beiwohnen. Ein paar Erklärungen und einleitende Worte später war ich auch schon kurzerhand zum stellvertretenden Vorsitzenden dieses Rates gewählt. Und ich muss sagen, die Entscheidung hierfür fühlt sich auch jetzt, nach dem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, noch richtig an. Ich mache damit wohl im übertragendem Sinne Lobbyarbeit für Eltern von Kindergartenkindern. Das halte ich für richtig und wichtig, denn nur wenn wir unser Mitspracherecht ernst nehmen und es nicht als lästige Pflicht ansehen können wir dafür sorgen dass dieses Mitspracherecht ausgebaut oder zumindest erhalten wird.

Leider nicht sehr bekannt

Ich finde es bedauerlich, dass diese Möglichkeiten zur Partizipation (einschließlich der Möglichkeit sich noch in den Landeselternbeirat wählen zu lassen) so wenig bekannt sind. Ich selbst wusste bis vor einigen Tagen nicht einmal, dass es ein über den Elternbeirat der Einrichtung hinausgehendes Gremium gibt, in dem ich zum einen Mitwirken kann und das zum anderen als Ansprechpartner für Eltern dienen kann, die aus welchen Gründen auch immer, das Gefühl haben, innerhalb der eigenen Einrichtung kein Gehör zu finden. Ich glaube und hoffe, dass ich mit meiner Arbeit etwas erreichen kann. Sollte dies nicht so sein, habe ich immer noch die Hoffnung auf eine schöne Zeit mit interessanten Menschen. Und meine Freude daran, dazu beigetragen zu haben, dass die Möglichkeiten des Mitwirkens an der Bildung unserer Kinder erhalten bleibt.

Neuen Kommentar schreiben