Blogparade #aufAugenhöhe: Mein Beitrag

Einen kleine Lawine von Blogeinträgen wie der Antwort von mama-notes.de, die in der Blogparade #aufAugenhöhe gipfelt, hat Andreas von papa-online.com mit dem offenem Brief an die Damenwelt ausgelöst den er formuliert hat. Und ich gebe zu: Im ersten Moment hätte ich gerne unterstützend meine Unterschrift unter diesen Brief gesetzt. Denn auch ich bin eines dieser Exemplare Mann, das Arbeit übersieht. Aber als moderner Mann, für den man(n) sich ja hält, sollte man da wohl etwas reflektierter an dieses Thema gehen. Hier mein Beitrag zur Blogparade:

Nicht sehen oder nicht sehen wollen?

Es ist wirklich nicht so, dass ich die Arbeit die zu tun ist nicht sehen will. Ich definiere einen Job nur etwas unterschiedlich. Wenn man durch Fenster nicht mehr durchsehen kann, müssen sie geputzt werden, das ist auch mir klar. Wenn ich das sehe mache ich das. Aber nun ist es so, dass es soweit bei uns gar nicht kommt, denn schon lange bevor Fenster so schmutzig sind werden sie geputzt. Mülleimer leere ich aus, wenn ich den Inhalt nicht mehr ausreichend zusammenpressen kann um etwas rein zu legen. Auch soweit kommt es bei uns nicht. Denn die Definition davon, wann etwas erledigt werden muss, unterscheidet sich bei uns. Vermutlich ist meine Aufgabe also zu lernen, wann der Punkt erreicht ist, an dem der Job aus den Augen meiner Frau zu erledigen ist.

Prioritäten

Und ich bin dann mal ehrlich. Nur weil ich gesagt bekomme, dass etwas zu erledigen ist, heisst das nicht, dass ich es sofort mache. Ich bin es beruflich gewohnt, Tickets mit Priorisierungen von "niedrig" bis "sofort" zugewiesen zu bekommen. Das sind gewöhnlich soviele, dass selbst eine Priorität "dringend" (Eine Stufe unter "sofort") schon mal signifikante Wartezeiten haben kann. Jetzt ist es so, dass ich in meiner Familie (natürlich) mit den Aufgaben keine Priorisierung bekomme, so dass alles erstmal mit Priorität "normal" bei mir aufläuft, zusammen mit meinen eigenen internen imaginären Tickets, die ich natürlich durchpriorisiert habe. Vermutlich sollte ich im Regelfall nicht die Priorität "normal" als Standardwert annehmen, sondern eher "sofort". Die Kinder können durch penetrantes Schreien diese Priorität übrigens sehr gut verdeutlichen. Das kann ich aber von meiner Frau nicht erwarten. Ich vermute, der Vorschlag ein Online-Ticket System einzurichten, in das alle Aufgaben beidseitig eingetragen werden und verteilt werden, wird auf wenig Gegenliebe stoßen. Hätte aber seinen Reiz, finde ich. Es kann also sein, dass ich eine Aufgabe sehe, mir vornehme sie zu erledigen, aber so falsch piorisiere, dass es wirkt, als hätte ich sie nicht gesehen.

Ich bin nicht gründlich

Noch eine Beichte: Ich bin nicht besonders gründlich, wenn ich Aufgaben im Haushalt erledige. Mein Ergebnis ist meistens ein "passt schon" und kein "perfekt". Das führt dazu, dass mir Aufgaben teilweise weggenommen werden, oder das sie doppelt erledigt werden. Ich bin wirklich kein Perfektionist. Aber vielleicht würde an einigen Stellen auch ein "passt schon" reichen. Übrigens ist das anders, wenn ich koche, dann hätte ich gerne ein "perfekt" meine Frau würde sich aber auch mit einem "passt schon" zufrieden geben.

Lernfähig?

Ich halte es für sehr schwer, lange antrainierte Verhaltensweisen (schliesslich lebe ich schon fast 30 Jahre) umzulernen. Kann man lernen, ein Perfektionist in Sachen Sauberkeit und Ordnung zu werden? Kann man lernen Dinge als störend zu empfinden? Muss ich lernen die Welt wahrzunehmen wie meine Frau, um zu sehen, was zu tun ist und es zu tun? Ich denke ich sollte es zumindest versuchen. Und ich muss darauf hoffen, dass sich irgendwann was tut. Ich trainiere bereits seit über 5 Jahren, mache aber nur kleine Fortschritte. Vielleicht ist die Lernkurve am Anfang nur sehr flach und macht in ein paar Monaten oder Jahren einen steilen Sprung. Solange sind Konflikte wohl nicht zu vermeiden.

Geschlechtersache?

Ist das jetzt alles durch unsere Geschlechter bedingt? Sind alle Frauen so wie meine? Sind alle Männer wie ich? Ich behaupte das ist ein Mentalitätsproblem. Es gibt sicher viele Frauen die denken wie ich und Männer die denken wie meine Frau. Das hat mit dem Geschlecht überhaupt nichts zu tun. Das ist für die Diskussion einfach die falsche Grundlage. Die Frage sollte eher sein, wie sich der Partner der Aufgaben später oder zu spät sieht, angewöhnen kann die Aufgaben früher zu sehen. Der Gegenpart sollte sich fragen, ob er entweder gelassener werden kann oder anders auf die anstehenden Aufgaben hinweist. Eine Patentlösung habe ich da noch nicht gefunden. Aber eine Geschlechterfrage ist es mit absoluter Sicherheit nicht. 

Kommentare

Vielen dank für Deine offene und ehrliche Problemschilderung. Ich glaube ja ebenso an ein Mentalitätsdings. Ich bin nämlich auch eher unperfektionisistisch in Haushaltsdingen verlagt, biologisch aber eindeutig eine Frau.
Ich denke, der richtige Weg ist eine individuelle Lösung, kein Stereotypen-Gewäsch. Die Leittragenden von Stereotypen wären meiner Meinung nach nur unsere Kinder.

Danke für deinen Kommentar. Individuell muss eine Lösung für das Problem wohl wirklich sein, denn für pauschalisierende Lösungen sind wir (Menschen) wohl alle zu unterschiedlich. Ob Paare mit gleicher Mentalität es wohl einfacher haben?

Das mit den Prioritäten aus der Arbeit kenne ich auch - auch, dass alles unter Prio 2 generell erstmal liegen bleibt ...

Vielleicht kann man sich mit seinem Partner auf ein "allgemeines Priolevel" einigen? So in der Form "wenn ich was zur Küche sage, ist das immer Prio 1"?

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